orientierungskompass

Wir stellen Ihnen gern einige grundlegende Fragen, an denen Sie sich orientieren können, ob Sie sich die Übernahme einer ehrenamtlichen Wegbegleitung gut vorstellen können. Wenn Sie sämtliche Fragen mit "ja" beantworten können, sind Sie in Ihrer Entscheidungsfindung möglicherweise einen entscheidenden Schritt weiter. Sie müssen dabei nicht spontan antworten. Lassen Sie sich gern Zeit, um die für Sie passende Antwort zu finden. 


Tipp: Sie sollten nicht das Gefühl haben, sich verbiegen zu müssen. Antworten Sie gern offen und ehrlich. Bei Fragen Ihrerseits wenden Sie sich jederzeit gern an uns (sh. Kontakt).


  1. Habe ich die zeitliche Ressource, alle zwei Wochen am Wochenende Zeit (einige Stunden) mit einem jungen Menschen zu verbringen und mit ihm gemeinsam Freizeit zu gestalten?
  2. Bringe ich viel Geduld und Ausdauer mit, um die Beziehung langsam entstehen und wachsen zu lassen?
  3. Zeichne ich mich durch absolute Zuverlässigkeit aus und kann jeden Termin verbindlich einhalten, ohne den jungen Menschen durch Unzuverlässigkeit oder Unverbindlichkeit zu enttäuschen (Ausnahme: Krankheit oder sonstige nicht geplante Umstände)?
  4. Kann ich mir vorstellen, ein Vorbild für einen jungen Menschen zu sein, an dem er/sie sich orientieren kann und den ich jederzeit unterstützen und auffangen kann?
  5. Bin ich bereit, viel Geduld und die Stärke mitzubringen, auch einmal schwierige Situationen auszuhalten? Gerade hochbelastete und traumatisierte Kinder und Jugendliche können urplötzlich ohne Vorwarnung ihre Nerven verlieren. Nichts wäre schlimmer, als wenn man  dann sagt: "Das ist mir zu kompliziert, ich lass das doch lieber." Wichtig zu wissen: Es muss nicht zu schwierigen Situationen kommen. Manche Kinder und Jugendliche bringen nur mehr Belastungen mit als Andere. 
  6. Kann ich mir vorstellen, einen jungen Menschen so zu nehmen, wie er/sie ist mit all seinen Stärken und Schwächen, ohne ihn/sie verändern zu wollen?
  7. Kann ich gut zuhören und mit einem jungen Menschen über alles zu sprechen, was ihn beschäftigt und betrifft?
  8. Glaube ich daran, ein vermeintlich ablehnendes oder abweisendes Verhalten auszuhalten und nicht als persönlichen Angriff zu sehen? (Junge Menschen mit Bindungsproblematiken können manchmal recht herausfordernd sein.) Wichtig zu wissen: Jeder Mensch ist anders. Nicht jedes Kind oder Jugendliche/r zeigt herausfordernde Verhaltensweisen.
  9. Bin ich mir sicher, dass ich mit der ehrenamtlichen Wegbegleitung keinen eigenen Kinderwunsch kompensiere? (Ehrenamtliche Wegbegleiter:innen übernehmen niemals die Elternrolle. Wenn Sie aber keine eigenen Kinder haben und sich die Erfahrung der Fürsorge für einen jungen Menschen gut vorstellen können, ist das sicherlich ein nachvollziehbares Motiv. Es sollte Ihnen dabei bewusst sein, dass sie die Eltern ("Identitätsbeziehung") niemals ersetzen können und auch nicht sollen. Die jungen Menschen haben ihre Familien und halten meist daran fest, auch wenn sie dort Belastendes oder Traumatisierendes erfahren haben. Das sollten sie akzeptieren und respektieren können.)
  10. Glaube ich daran, dass ich eine reflexionsstarke Persönlichkeit bin?
  11. Kann ich es aushalten (im Kontext Standortbestimmung), dass ich mich an Weisungen der Erziehungsberechtigten zu halten habe (viele Pflichten)?
  12. Kann ich mir vorstellen, regelmäßig Gespräche mit (Bezugs-)erzieher:innen, Vormündern und sonstigen Personen zu führen, die am Wohl des Kindes und seiner/ihrer Entwicklung interessiert sind?
  13. Kann ich meine Beziehung zu einem jungen Menschen (aus heutiger Sicht) langfristig, also zunächst unbefristet - aufrecht erhalten?
  14. Bin ich bereit, neben der Grundqualifizierung an weiteren Aufbauschulungen teilnehmen?
  15. Bin ich bereit, im Jahr an mindestens zwei von vier Supervisions-Terminen (digital) teilzunehmen?
  16. Kann ich mir vorstellen, an einer wissenschaftlichen Studie (Längsschnittsstudie) teilzunehmen, um die Wirkung der ehrenamtlichen Wegbegleitung für Begleitende und Begleitete langfristig zu untersuchen?
  17. Bin ich bereit, mich an den vorgegebenen Verhaltensregeln des Vereins im Umgang mit begleitenden Kindern und Jugendlichen zu halten? (Verhaltenskodex/Schutzkonzept wird im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahmen besprochen und die Zustimmung dazu vor Übernahme einer Wegbegleitung schriftlich vereinbart.)
  18. Kann ich ausschließen, dass ich das Kind/den Jugendlichen adoptieren möchte oder als Pflegemutter-/vater (Pflegestelle) zur Verfügung zu stehen?
  19. Steht mein privates Lebensumfeld (Partner:in) meiner Motivation/meinem Engagement, eine ehrenamtliche Wegbegleitung zu übernehmen, positiv gegenüber? Wichtig zu wissen: Vielleicht möchten Sie einen jungen Menschen auch von Anfang an als Paar begleiten? Auch das ist möglich!
  20. Bin ich (und ggf. mein/e Partner:in) bereit, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis in regelmäßigen Abständen einzureichen?


Im Rahmen der Erst-Qualifizierung gehen wir intensiv auf all die vorgenannten Themen ein und erläutern deren Hintergründe, Notwendigkeiten und Abhängigkeiten.


Bild von 愚木混株 cdd20 aus Unsplash
 
 
 
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